Mittwoch, 26. Dezember 2012

Die Tradition des Weihnachtsbaums



Wie Bräuche entstehen will ich heute an dieser Stelle erzählen:
Unsere Töchter kamen gerade ins Vorlesealter, wir wohnten zur Miete in einem Altbau mit 4m-Decken (der Mietvertrag war schon gekündigt, da wir umziehen wollten) und wir hatten einen Gutschein für einen Tannenbaum geschenkt bekommen, den wir selbst aussuchen durften. 
Wer von uns die Idee hatte weiß ich nicht mehr, aber da wir ja bald nicht mehr in einer Wohnung mit hohen Decken wohnen würden, den Baum nicht zahlen mussten, auch einen Baumfuß in XXL geliehen bekamen, entschieden wir uns für einen 4m-Baum, den ganze drei Männer durch den Trichter zum Einnetzen ziehen mussten. 
Schon auf der Fahrt nach Hause, mit dem Baum auf dem Dachträger, wurde mir klar, dass das eine Schnapsidee war! Wie sollte dieses Monster vom Flur um die Ecke ins Zimmer gelangen und wie schmückt man ihn, wenn man gerade mal fünf Baum-Kugeln besitzt?  Zuhause, ganz elegant durch das Fenster gehoben, wurde er eingestielt, das Netz aufgeschnitten und flupp, breitete sich der schöne Baum mit einem nicht erahnten Radius aus! Passanten, die zu dieser Zeit durch unser Fenster schauten, sahen nur ein Fenster voller Grün. Drei Pakete Lebkuchen, die mit den Brezeln, Herz- und Sternlöchern, durch die ich eine Bastschnur zum Aufhängen zog sowie rote Baumkerzen waren meine Deko-Lösung. 


Jeder der seinen Kindern vorliest, hat bestimmt schon "Lotta kann fast alles" von Astrid Lindgren vorgelesen. Auf Grund dieser Geschichte gingen unsere Töchter davon aus, dass es nicht selbstverständlich ist, immer einen Weihnachtsbaum erstehen zu können.



In der Vorweihnachtszeit des Folgejahres hatte ich erst richtig unter der Schnapsidee zu leiden! Wir waren mittlerweile Hauseigentümer von einem Haus, natürlich mit hohen Decken, mitten in der Stadt geworden. Für die Mädchen war es völlig klar: So ein großer Baum musste es wieder sein. In der Stadt auf den Verkaufsständen, die natürlich schon Ende November aufmachten (dabei wird der Baum doch erste am 24. Dezember aufgestellt!), wurden alle gemustert und schnell wurde klar: Die sind alle viel zu klein und Mama wollte und wollte keinen kaufen. Je mehr Kerzen am Adventskranz angezündet wurden, desto größer wurden die Nöte der Mädchen, ohne großen Tannenbaum Weihnachten feiern zu müssen. Letztendlich gab es also auch im Folgejahr einen zimmerdeckengroßen Baum. Und natürlich (nur, dass es gar nicht mehr diskutiert wird), gibt es auch noch heute bei uns einen Baum, den wenigstens zwei Männer durch den Netz-Trichter ziehen müssen. Seit damals ist es auch immer noch so, dass unser Baum mit Essbarem geschmückt wird.

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